Ernst Toch: Cantata of the Bitter Herbs
Narration / Erzählung
I. Introduction and Psalm 114
“Fetters fell, the captive rose.” Old is the memory of Israel’s escape from Egypt. Told and retold for thousands of years, the story has given strength to the weary, hope to the disheartened. O God of our fathers, always Thou art with us. We praise Thee for survival, we praise Thee for life.
“Blessed be Thy name.”
„Die Fesseln fielen, die Gefangenen erhoben sich.“ Alt ist die Erinnerung an Israels Flucht aus Ägypten. Seit Tausenden von Jahren wird diese Geschichte immer wieder erzählt und hat den Erschöpften Kraft und den Entmutigten Hoffnung gegeben. Gott unserer Väter, Du bist immer mit uns. Wir preisen Dich für unser Überleben, wir preisen Dich für das Leben.
„Gepriesen sei Dein Name.“
II. Sheheheyanu
Around the table with the elders sit the children, staring in curious wonder. Here is lamb, such as was eaten at their last meal in bondage before the captives fled from Egypt. And here is bread, baked in haste, unleavened, tasteless, the bread of poverty. Here are bitter herbs—bitter they are indeed!—with the flavor of tears and pain which were the lot of men and women long ago who gladly spent their lives for freedom.
“Taste and eat, not in sadness, but in joy.”
Um den Tisch mit den Ältesten sitzen die Kinder und starren neugierig und staunend. Hier ist Lammfleisch, wie es bei ihrer letzten Mahlzeit in Gefangenschaft gegessen wurde, bevor die Gefangenen aus Ägypten flohen. Und hier ist Brot, in Eile gebacken, ungesäuert, geschmacklos, das Brot der Armut. Hier sind bittere Kräuter – bitter sind sie wahrlich! – mit dem Geschmack von Tränen und Schmerz, die das Los der Männer und Frauen vor langer Zeit waren, die gerne ihr Leben für die Freiheit gaben.
„Kostet und esset, nicht in Traurigkeit, sondern in Freude.“
III. Children’s Dance
There was born in slavery a child who grew up with hope in his heart. And as he grew, God blessed him with a vision of free people, gave him courage to appear before the tyrant, bade him say to the Pharaoh: “Listen! This is the word of God—Let my people go!” “Our God is the God of the Universe, maker of the Earth and Heaven, ruler of all.” Fear was in the heart of Moses then, but God heard his prayer. God strengthened the voice of Moses by His thunder; God lengthened the staff of Moses so that the waters of the Nile, the creatures of the land, the wind and the rain obeyed him.
In Sklaverei wurde ein Kind geboren, das mit Hoffnung in seinem Herzen aufwuchs. Und als es heranwuchs, segnete Gott es mit einer Vision von freien Menschen, gab ihm den Mut, vor dem Tyrannen zu erscheinen, und befahl ihm, zum Pharao zu sagen: „Höre! Dies ist das Wort Gottes: Lass mein Volk ziehen!“ „Unser Gott ist der Gott des Universums, Schöpfer der Erde und des Himmels, Herrscher über alles.“ Damals war Moses von Furcht erfüllt, aber Gott erhörte sein Gebet. Gott stärkte die Stimme Moses durch seinen Donner; Gott verlängerte den Stab Moses, sodass ihm die Wasser des Nils, die Tiere des Landes, der Wind und der Regen gehorchten.
IV. The Ten Plagues
He summoned them—they came. Blood filled the streams of Egypt … Frogs came out of the lakes … Flies and gnats swarmed in the palace of the Pharaoh … Sores broke the skin of men and beasts … Hail beat down the fields of corn … Disease destroyed the cattle … Locusts ate up all the vegetation … Over all came darkness … Covered was the face of the sun …
Er rief sie herbei – und sie kamen. Blut füllte die Flüsse Ägyptens … Frösche kamen aus den Seen … Fliegen und Mücken schwärmten im Palast des Pharaos … Geschwüre zerfetzten die Haut von Menschen und Tieren … Hagel zerstörte die Kornfelder … Krankheit vernichtete das Vieh … Heuschrecken fraßen die gesamte Vegetation … Über allem breitete sich Dunkelheit aus … Die Sonne wurde verdeckt …
V. And it was at Midnight
Thus it was, in the midst of that night of terror, that Moses unlocked the gates of the slave encampments, calling his people forth. Out of their huts they came, the children and the aged. Fathers older than their years, mothers with child, the strong supporting the weak … dragging their poor possessions, stumbling, mumbling, praying … Free. Free, free!
So kam es, dass Moses inmitten dieser Nacht des Schreckens die Tore der Sklavenlager öffnete und sein Volk aufrief. Sie kamen aus ihren Hütten, die Kinder und die Alten. Väter, die älter waren als ihr Alter, Mütter mit Kindern, die Starken, die die Schwachen stützten … sie schleppten ihre armseligen Habseligkeiten, stolperten, murmelten, beteten … Frei. Frei, frei!
Such nights have people known in many lands and ages—nights of horror and agony, nights of fear and hope. Israel fled from Egypt, out of slavery, toward a land of promise. On Sinai, Moses took from God the commandment. Not tyranny but law! Law is light. “Blessed be God who gave the law.”
Solche Nächte kennen Menschen in vielen Ländern und Zeitaltern – Nächte des Grauens und der Qual, Nächte der Angst und der Hoffnung. Israel floh aus Ägypten, aus der Sklaverei, in ein gelobtes Land. Auf dem Sinai empfing Moses von Gott die Gebote. Keine Tyrannei, sondern Gesetz! Das Gesetz ist Licht. „Gesegnet sei Gott, der das Gesetz gegeben hat.“
VI. Aria
Long was their wandering, great the struggle to build a free people in a new land. Alas, their happiness was short. They lost it. But now, a homeless people, driven from place to place, they bore with them a few pages in a book, preserving thus for all mankind a record of that great adventure.
Lang war ihre Wanderschaft, groß der Kampf, um ein freies Volk in einem neuen Land aufzubauen. Leider war ihr Glück nur von kurzer Dauer. Sie verloren es. Aber nun, als heimatloses Volk, das von Ort zu Ort getrieben wurde, trugen sie ein paar Seiten in einem Buch mit sich und bewahrten so für die gesamte Menschheit eine Aufzeichnung dieses großen Abenteuers.
VII. Psalm 126
With such a song on their lips, such a dream in their hearts, a homeless people saved more than mere existence. Then on the horizon appeared once more the enchanting vision of green hills and fertile plains, of trees and meadows, of a river on whose banks good men dwell in peace. Stubbornly they carried on, strong in that God-given hope:
“We live! We praise Thy Name!”
Mit einem solchen Lied auf den Lippen und einem solchen Traum im Herzen retteten die Heimatlosen mehr als nur ihr bloßes Dasein. Dann erschien am Horizont erneut die bezaubernde Vision von grünen Hügeln und fruchtbaren Ebenen, von Bäumen und Wiesen, von einem Fluss, an dessen Ufern gute Menschen in Frieden leben. Hartnäckig machten sie weiter, gestärkt durch die von Gott gegebene Hoffnung:
„Wir leben! Wir preisen Deinen Namen!“
VIII. He Saved my Soul from Death
In the minds of those who hear once more the ancient tale, swells new hope, new faith, new power.
“Strong in a God of Right who is a God of Might.”
In den Köpfen derer, die diese alte Geschichte erneut hören, keimt neue Hoffnung, neuer Glaube, neue Kraft.
„Stark in einem Gott der Gerechtigkeit, der ein Gott der Macht ist.“
IX. God of Right, God of Might
In the night the dreamers of the past stir in their graves. Not one nation is chained in slavery, not one kindred is cursed by greed and hate. Many are oppressed, many struggle in darkness, cry aloud for help. From whence shall our help come? Ours is one father. One God. Hear us, almighty Ruler of the Universe! Help us to build our world anew, a world of goodwill, of understanding, of peace. Then they will beat their swords into plowshares and their spears into pruning hooks. Nation will not lift up sword against nation, and they will learn no more the art of war.
“Praised be the Lord.”
In der Nacht regen sich die Träumer der Vergangenheit in ihren Gräbern. Nicht eine Nation ist in Sklaverei gefesselt, nicht ein Volk ist von Gier und Hass verflucht. Viele werden unterdrückt, viele kämpfen in der Dunkelheit und schreien laut um Hilfe. Woher kommt uns Hilfe? Wir haben einen Vater. Einen Gott. Höre uns, allmächtiger Herrscher des Universums! Hilf uns, unsere Welt neu zu errichten, eine Welt des guten Willens, des Verständnisses, des Friedens. Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Speere zu Winzermessern umschmieden. Nation wird nicht mehr gegen Nation das Schwert erheben, und sie werden die Kunst des Krieges nicht mehr lernen.
„Gelobt sei der Herr.“
X. The Blue-White Hymn